Vorträge Vorschau
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Vortragsreihe MODE Thema MODE 2026
Berlin (D) > 23.9. - 09.12.2026
Themenschwerpunkt 2026: Opportunismus, Resilienz, Widerstand. Textiles Arbeiten in der Zeit des Nationalsozialismus
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Kreativität staatlich reglementiert und ideologisch überformt. Ateliers, Salons und Kaufhäuser der Textil- und Modebranche wurden vereinnahmt und „arisiert“, ihre Eigentümer verfolgt, vertrieben und ermordet. Aber Gestaltung von Textilem und Bekleidung kann in Zeiten der diktatorischen Machtausübung auch bedeuten, Individualität zu bewahren und Stärke im Kampf ums Überleben zu gewinnen, Glücksmomente trotz aller Traumata zu erleben und Hoffnung vor dem Hintergrund flächendeckender Zerstörung zu schöpfen. Im Rahmen der Vortragsreihe wird diesen unterschiedlichen Aspekten des textilen Arbeitens zur Zeit des Nationalsozialismus Sichtbarkeit verliehen.
Programm und Moderation: Britta Bommert
23.09.2026, 18.00 Uhr
Spuren der Zwangsarbeit. Textilproduktion im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück, 1939–45 >
Referentin: Dominique Hurth, Berlin
Die Textilproduktion im KZ Ravensbrück begann bereits 1939. Mit der Einrichtung der Texled, einem SS-eigenen Unternehmen, und deren Verlegung von Dachau nach Ravensbrück 1941 wurden die dortigen Textilwerkstätten zu einem führenden Standort für das Weben, Schneiden, Nähen und Reparieren. Produziert wurden Häftlingskleidung für alle Konzentrationslager und Uniformen für SS und Wehrmacht sowie für die weibliche Wachmannschaft des KZ. Zeug*innenaussagen und Firmenberichte belegen die zunehmend gewalttätigen Arbeitsbedingungen in den Werkstätten. Es werden die Zwangsarbeit und die Gewaltgeschichte der Uniformproduktion thematisiert, aber auch die wirtschaftlichen Strukturen und deren Kontinuitäten bis in die heutige Zeit.
07.10.2026, 18.00 Uhr
Wenn das Talent nicht mehr zählt. Berliner Modeschöpfer*innen in der Zeit des Nationalsozialismus >
Referentin: Gesa Kessemeier, Berlin
„Berlin ist Mode!“, hieß es 1927. „Modekünstler*innen“ waren Stars, Couturehäuser begeisterten mit visionären Entwürfen. Die Presse schrieb, ihre Namen würden »so populär in den Mund genommen, als handle es sich nicht um Modehäuser, sondern um Filmstars oder Bühnenlieblinge«. Nach dem 30. Januar 1933 war nichts mehr wie zuvor. Bewunderte Designer*innen galten nun als Paria. Die Nationalsozialist*innen verfolgten sie als Juden und Jüdinnen, Homosexuelle und Demokrat*innen, nahmen ihnen ihre bürgerliche Existenz, ihre Firmen, ihr Leben. Ein Verlust, der bis heute nachwirkt. Die Geschichten von Joe Strassner, Erna Becker, Clara Boehm oder Richard Goetz stehen beispielhaft für die Zerstörung der Berliner Modewelt, zeugen von bewegenden Schicksalen, brutaler Verfolgung bis hin zu neuen Erfolgen in der Emigration.
11.11.2026, 18.00 Uhr
Textile Kunst im Nationalsozialismus. Bildteppiche und Wandbehänge auf den Leipziger Grassimessen zwischen 1933 und 1942 >
Referentin: Stefanie Seeberg, Leipzig
Der staatliche Einfluss auf Kunst und Kultur war im Nationalsozialismus weitreichend. Angewandte Kunst, Kunsthandwerk und Design wurden für die Verbreitung ideologischer Inhalte instrumentalisiert, durch Gesetze und Richtlinien wurde versucht, Gestaltung und Material zu reglementieren. Bildteppiche aus Manufakturen und Handwebereien wurden als Zeugnisse traditionellen Kunsthandwerks und Träger von Bildthemen und Motiven, die ideologische Inhalte vermitteln konnten, besonders gefördert. Ausgehend von der Ausstellung „Formen der Anpassung, Kunsthandwerk und Design im Nationalsozialismus“ im GRASSI Museum für Angewandte Kunst in Leipzig (26.11.2025 bis 12.4.2026), beleuchtet der Vortrag Werke verschiedener Künstler*innen aus dieser Zeit, die in Kunstgeschichte und Biographien bisher meist fehlt.
09.12.2026, 18.00 Uhr
Sonia Delaunay im Exil. Von der Leichtigkeit der Kunst in Zeiten des „apokalyptischen Gemetzels“ >
Referentin: Margarete Zimmermann, Berlin
Die Malerin Sonia Delaunay (1885–1979), von 1925 bis 1930 ein internationaler Star der avantgardistischen Textilkunst und Mode, begibt sich im Juni 1940 mit ihrem Mann Robert ins Exil. Robert stirbt am 25. Oktober 1941 in Montpellier, Sonia lebt von 1941 bis 1944 in der Parfümstadt Grasse.
Kreativität bleibt für sie (über)lebensnotwendig, trotz zerrissener Netzwerke, Materialknappheit und fehlendem Kunstmarkt. Deshalb beteiligt sie sich mit Alberto Magnelli und den Arps an Kunstprojekten der „Gruppe von Grasse“. Außerdem restauriert sie Roberts Gemälde, arbeitet an ihren Gouachen und Textilzeichnungen – und hört dabei Sender der Résistance sowie der NS-Propaganda. Am 1. November 1944 kehrt sie in das befreite Paris zurück, wo für sie andere Kämpfe beginnen.
Eintritt und Teilnahme kostenfrei.
Keine Anmeldung erforderlich.
Veranstalter
Kunstbibliothek, Sammlung Modebild - Lipperheidesche Kostümbibliothek
Ort
Vortragssaal im Kulturforum
Staatliche Museen zu Berlin
Matthäikirchplatz
10785 Berlin
Deutschland
Herrschende Mode – Mode der Herrschenden
Online-Vortrag auf Youtube „Herrschende Mode – Mode der Herrschenden >“ mit Kuratorin Dr. Katja Schmitz-von Ledebur (Kunsthistorisches Museum Wien).


